5 Gründe, warum Mönche die besseren Elfmeterschützen wären

von Alexander Pfeifer Mittwoch, 14. Mai 2014 Sportpsychologie am Punkt. 0 Kommentare

Moench

Hier 5 Gründe, warum Mönche die besseren Elfmeterschützen wären:

  1. Mönche würden auf  Statistiken pfeifen, wenn sie zum Elfmeterpunkt gehen. Im Gegensatz zu den englischen Nationalteams, die zwischen 1990 und 2006 sechsmal bei Welt- oder Europameisterschaften die entscheidenden Elfmeter verschossen haben. "Je mehr hochdekorierte und mit internationalen Titeln verwöhnte Spieler im Kader sind, desto mieser schneidet die Mannschaft bei Elfmeter-Entscheidungen ab", so eines der Ergebnisse der Studie von Geir Jordet. Der Erwartungsdruck sei bei diesen Spielern höher. Noch dazu haben englische Nationalspieler, die entscheidende Elfmeter vergeben, über Jahre mit Schmährufen in der Presse zu rechnen. Was aber haben Statistiken, Druck und mögliche Folgen mit dieser Aufgabe zu tun?  Genau das würde sich der Mönch beim entscheidenden Elfer im WM-Finale auch denken. Meditierende nennen es "In der Frische des Augenblicks verweilen" - das Vergangene ist vorbei, die Zukunft noch nicht da. Er nimmt den Ball und denkt nur an eine Statistik: Wenn ich den Ball ins Kreuzeck schieße hat der Tormann zu 100% keine Chance. Daneben gehen könnte er trotzdem. Aber das hätte keine Auswirkung auf den Strafstoß im nächsten Spiel.
  2. Mönche erkennen Störungen im Denken und können darauf reagieren. "Ich hatte kein gutes Spiel heute und jetzt muss ich den Elfer auch noch schießen" ist  kein idealer Gedanke vor dem Anlauf Richtung Ball. Meistens wirkt ein solcher Gedanke und die damit verbundene Emotion direkt auf den Körper. Auf den Fuß in diesem Fall. Millimeter entscheiden beim Kontakt: Fuß mit Ball. Ein entscheidender Kontakt, vollautomatisiert. Ein Gedanke zu viel und der Ball geht am Tor vorbei, während man die Presse schon in die Tasten klopfen hört. Soweit würde es der Mönch nicht kommen lassen. Den Ärger über das schlechte Spiel hätte er genauso. Das Unwohlsein, jetzt auch noch einen Elfmeter schießen zu müssen, würde er ebenso spüren. Dann aber kommt seine trainierte Technik zum Einsatz. Er erkennt negative Gedanken und Stimmungen, lässt sie zu und lässt sie ziehen,  ohne dass sie Spuren hinterlassen. "Wenn wir aufhören, Holz ins Feuer zu legen, und nichts weiter tun, als zuzusehen, dann wird das Feuer schon bald verlöschen", schreibt der ehemalige Molekularbiologe und mittlerweile buddhistische Mönch Matthieu Ricard. Das Feuer sind unsere Versagensängste, immer weiter angefacht durch negative Gedanken. Der Mönch betrachtet seine Gedanken und Stimmungen neutral. Er ist in der Lage, das Feuer zu löschen und zum Zeitpunkt des Ballkontaktes im Hier und Jetzt zu sein, weil er sein Denken trainiert hat. Der Zuruf des Trainers "Bleib ruhig und denk dir, es geht um nix!", bringt einen mental untrainierten Spieler nicht weiter. Vielleicht trifft er trotzdem. Auch der Tormann hatte vielleicht ein schlechtes Spiel.
  3. Mönche würden unwichtige Details ausblenden. Es würde den Mönch nicht aus der Fassung bringen, wenn ihm ein sogenannter Elferkiller als Tormann gegenüber stünde. Vielmehr würde er sich auf die wichtigen Fakten konzentrieren. 2,44 Meter hoch ist ein Fußballtor, 7,32 Meter breit. Der Ball hat 69cm Umfang. Da vorne an der Linie steht ein Mann und will verhindern, dass der Ball die Linie überquert. Es ließe ihn weiters ziemlich kalt, ob er der erste Schütze wäre. Oder der, der unbedingt treffen muss. Keine Gedanken an mögliche Konsequenzen verschwenden, sondern Achtsamkeit und Konzentration auf den Moment richten. Das will geübt sein, damit´s vor 80.000 Leuten auch klappt.
  4. Mönche hätten ein echtes Pokerface. Und nicht nur die Mimik würde dem Torhüter keinen Hinweis auf eine mögliche Unsicherheit geben. Auch der Moment des Ballauflegens, der Blick in die Augen des Torhüters der Blick zu Boden. Eine Studie von Jordet belegt, dass wenig erfolgreiche Fußballer ihre Aufgabe am Elferpunkt möglichst schnell erledigen wollen. "Fluchtverhalten" nennt er es. Der Mönch könnte seine Emotion blitzschnell in jene Richtung lenken, die er für seine Aufgabe benötigt. Mithilfe der automatisch passenden und stimmigen Körpersprache. Schauspieler können das ebenfalls perfekt, denn auch in dieser Branche wird regelmäßig trainiert.
  5. Mönche trainieren ihr Denken. Das Hineinversetzen in eine Situationen zeichnet Meditationserfahrene aus. Das gelingt mit regelmäßigem Üben. "Die Fertigkeit, in bestimmten Situationen Denk- und Vorstellungsprozesse aktiv zu gestalten, kann man sich aneignen. Das ist anstrengend, kostet Energie und muss erlernt und trainiert werden", meinen die Sportpsychologen Mayer und Hermann dazu.