Mentales Training bei Verletzungen

von Alexander Pfeifer Dienstag, 16. Dezember 2014 Sportpsychologie am Punkt. 0 Kommentare

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Für Paul Gartler längst eine Selbstverständlichkeit. Achtsamkeitstraining, Zielsetzungstraining, das Visualisieren von Tormanntechniken und das Training der Vorstellungskraft, um seine Ziele noch tiefer zu verankern. Techniken, die gerade in Verletzungspausen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

4 Zutaten für deinen Comeback-Shake

1. Meditation und Entspannung

"Ein zu viel an Spannung. Einen Augenblick zu sehr mit Dingen, die in der Zukunft liegen, beschäftigt. Druck zugelassen. Die Freude war nicht im Vordergrund." - Aussagen von Sportlern, kurz bevor sie sich verletzt haben. Mit trainierter Achtsamkeit und Konzentration im Moment vielleicht vermeidbar. Natürlich gibt es äußere Einflüsse, die unkontrollierbar sind und oft zu Verletzungen führen. Klar.

Unsere Gefühlslagen aktivieren unterschiedliche hormonelle und nervale Systeme. Mit unseren Gefühlen sind eng unsere Gedanken und Vorstellungen verbunden. So setzen unsere Emotionen über die Hyphophyse Hormone und Nervensignale frei und steuern so Abläufe wie Atmung, Durchblutung oder Muskelspannung.

"Wenn diese bio-psychologischen Regulationsprozesse dauerhaft gestört sind, können Heilungsprozesse negativ beeinflusst werden." (Kleinert/Hermann, Leistungssport 37/2007, S.45)

Unser Denken (und damit/dadurch unsere Emotionen) ist also immer präsent. Gott sei Dank.

Konzentriertes Denken und damit das Herbeiführen erwünschter Gefühlszustände ist das Ziel von Meditations- und Entspannungstechniken. Gleichzeitig auch die Grundlage für alle Techniken des Visualisierens, also des klassischen mentalen Trainings.

2. Zielsetzungstraining - "Das Spiel mit dem Ist und dem Soll."

"Verletzte Athleten benötigen klar und eindeutig formulierte und vor allem überprüfbare Ziele im Verlauf des Rehabilitationsprozesses." (Kleinert/Hermann, Leistungssport 37/2007, S.48)

Der Athlet fragt sich sofort: "Wann kann ich wieder Wettkämpfe bestreiten?". Die gemeinsame Vorgehensweise aller Betreuer hilft dem Athleten sehr. Eine realistische Einschätzung der Momentansituation, das Setzen von klaren Zielen, die Eventualität von Hürden und Rückschritten mit beachten und auf bereits Erreichtes bauen (Selbstwirksamkeit = Selbstvertrauen hoch halten), sind einige Punkte auf dem Weg zurück. Bilder helfen. Das Führen eines Tagebuches hilft.

Die Vorstellung einer Bewegung oder einer Situation generell bewirken eine körperliche Reaktion, ähnlich dem realen Erleben. Klingt doch gut. Weltmeister von der Couch aus! So leicht geht´s dann doch wieder nicht. Aber - und das kann dein Vorteil sein - ein Bereich, der noch immer im Spitzensport vernachlässigt wird. Nicht nur in der Rehabilitation. Exaktes Visualisieren von sportlichen Techniken, Wettkampfsituationen oder Stresssituationen bewirkt einen sanfteren Wiedereinstieg nach Verletzungspausen. Bilder und die damit verbundenen Gedanken und Emotionen, die von Verletzungssituationen präsent sind, werden durch leistungsförderliche Bilder und Emotionen ersetzt. Übungssache.

4. Soziale Unterstützung

"Ich hätte mich schon gefreut, wenn der Trainer einmal angerufen hätte." meint ein junger Sportler, der aufgrund einer schweren Verletzung mehrere Monate pausieren musste.

"Die psychische Rehabilitation verletzter Athleten ist nicht vom Gesamtgenesungsprozess zu isolieren. Zunehmend wird von allen an der Rehabilitation beteiligten Personen der Wunsch nach qualifizierter sportpsychologischer Unterstützung geäußert." (Mayer/Hermann, Mentales Training, 2011, S. 135)

Motivationsprobleme (z.B. Zweifel am Sinn des Leistungssports), Ärger oder Gefühle der Einsamkeit sind häufige mentale Probleme in Verletzungspausen.

Das soziale Umfeld ist ein entscheidender Faktor, damit die vorhandenen Eigenschaften der Sportler, wie Wille, Selbstvertrauen und positive Einstellung an der Oberfläche bleiben. Soziale Unterstützung setzen Vertrautheit, Nähe und Bekanntheit voraus. Das Schaffen einerAtmosphäre in Vereinen und Verbänden, die sich durch das Vorhandensein dieser Faktoren auszeichnet, scheint jedenfalls eine "Dropout-Prophylaxe" zu sein.

"Treat the person, not only the injury." (Weiss und Troxel 1986)

Persönlichkeitsbildende Maßnahmen wie Kommunikationstraining oder Teamgeist-Einheiten helfen Sportlern zusätzlich, Basisfähigkeiten im sozialen Umgang mit in den Alltag zu transferieren.

MMag. Alexander Pfeifer, Sportpsychologe.

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