Über Spirit & Kampfgeist im Sport

von Alexander Pfeifer Mittwoch, 30. August 2017 Sportpsychologe bei der Arbeit. 0 Kommentare

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Wie bist du darauf gekommen Sportpsychologe zu werden?

Das hat sich im Laufe meiner Ausbildung entwickelt. Ich war immer schon fasziniert von dieser Hingabe im Sport, das Leiden, das Schwitzen, die Challenge – ein Ziel vor sich zu haben und dafür alles zu geben. Ich konnte mich aber nie für einen Leistungssport entscheiden, ich habe schon im Sportgymnasium vieles ausprobiert und später im Studium zweimal am Ironman teilgenommen. Aber das waren alles nur ambitionierte Hobbies für mich. Bei den langen Ausdauereinheiten für den Ironman habe ich gemerkt, dass ich selbst auch an meiner Konzentration arbeiten kann. Da kam dann das erste Mal auch die Motivation anderen dabei zu helfen.

Wie wird man Sportpsychologe und was sind deine Hauptaufgabengebiete?

Ich habe Sportwissenschaften und Psychologie studiert und war dann zu Beginn in der Leistungsdiagnostik als Coach und Diagnostiker tätig. Damals war die Sportpsychologie in Österreich noch in den Kinderschuhen, erst in den letzten 15 Jahren hat sich der Zweig im Leistungssport etabliert und seinen Platz als Ergänzung zum sportlichen Training gefunden. Ich bin jetzt seit zirka zehn Jahren in der Sportpsychologie. Anfangs habe ich mich viel mit Kampfsport beschäftigt und das Jiu-Jitsu Nationalteam betreut. Seit ein paar Jahren unterstütze ich bei Rapid und beim ÖFB den Nachwuchs und arbeite auch viel mit Trainern – auch wenn es um Teambuilding oder den Blick von außen geht. Auch einige Einzelsportler gehören zu meinen Kunden, wenn es gezielt darum geht die Leistung zu steigern. Da macht es für mich keinen Unterschied, ob das Einzelsportler oder Teamsportler sind.

Was motiviert dich besonders an deinem Beruf?

Den Sportler in einem Wettkampf zu beobachten, die Reaktionen zu sehen, die Emotionen mitzuerleben. Natürlich auch das Resultat, aber weniger auf das Ergebnis des Wettkampfes bezogen, sondern mehr zu sehen, was der Sportler umsetzen konnte. Es ist extrem motivierend, wenn Spieler oder Trainer auf einen zukommen und erzählen, dass das Mentaltraining geholfen hat und sie dadurch noch mehr aus sich rausholen konnten. Oder wenn ein Trainer erzählt, dass die ganze Mannschaft besser miteinander gespielt hat. Letztendlich ist es natürlich auch ein großartiges Gefühl bei einem Sieg dabei zu sein.

Was ist eigentlich ein Flow und wie beschreiben ihn Sportler?

Wenn man sich über den Flow informiert führt kein Weg an Mihály Csíkszentmihályi vorbei, er ist einer der herausragendsten Wissenschaftler auf dem Gebiet. Sein Werk haben wir auch schon auf der Uni studiert und das gilt bis heute. Er beschreibt den Flow als einen Zustand völliger Konzentration und das Aufgehen in einer Tätigkeit. Er schreibt, dass keine Technik dahinter ist, sondern dass er dann einsetzt, wenn die Herausforderung in perfekter Relation mit dem eigenen Können steht und alle Rahmenbedingungen stimmen.

Sportler beschreiben es als „In-einer-anderen-Welt-sein“, die Zeit vergessen, die Umgebung nicht mehr wahrnehmen. Es scheint alles möglich zu sein, man hat nur das Ziel vor Augen. Allerdings verwenden die wenigsten Sportler das Wort „Flow“, sie erzählen oft, dass sie nicht genau wissen was sie anders machen, aber plötzlich funktioniert alles. Und manchmal kommt das Gefühl und manchmal nicht.

Kann man einen Flow „trainieren“?

Man kann die Rahmenbedingungen schaffen. Einerseits natürlich durch das Training, wenn ich die Technik nicht beherrsche oder unsicher bin, dann werde ich das Flow-Level nicht erreichen. Anderseits ist die Fähigkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren, auch ein großer Faktor im Sinne von Konzentrationstraining, Achtsamkeitstraining, Atemübungen oder autogenem Training. Letztendlich geht es bei vielen Sportlern auch darum verlorenes Selbstvertrauen wiederzuerlangen und das negative Selbstgespräch durch sogenannte „Selbstgespräch-Steuerung“ positiv zu beeinflussen. Wenn diese grundsätzlichen Rahmenbedingungen stimmen, ist die Chance höher in einen Flow zu gelangen.

Alle Fotos: Karoline Pernegger; Quelle: Jungbleiben.com/Vöslauer Blog (http://www.jungbleiben.com/?p=9409)