"Einstellung, Leidenschaft und Siegeswillen haben gefehlt."

von Alexander Pfeifer Dienstag, 29. November 2016 Sportpsychologie am Punkt. 0 Kommentare

Ironman Alex Pfeifer Mentaltraining

Haben sie diese Aussage jemals von einem Trainer, Journalisten oder Zuseher über den 2. Platzierten eines Ausdauerwettbewerbes gehört? Im Fußball ist es eine beliebte Aussage, wenn es darum geht die Ursachen für eine Niederlage aufzuzählen.

Kann ein Team an kollektivem Mangel an Einstellung, Leidenschaft und Siegeswillen "erkranken"?

Um Profi-Sportler zu werden, gehören diese 3 Eigenschaften u.a. zur Basisausstattung des "kognitiven Teils" des Körpers. Wer diese Grundvoraussetzungen nicht über lange Zeit (Trainings- und Wettkampfjahre) zeigt, kann nicht im Hochleistungssport reüssieren. Das Absprechen dieser Eigenschaften könnte man als Eingeständnis sehen, auf die falschen "Pferde" über längere Zeit gesetzt zu haben. Die sportpsychologische Forschung zeigt, dass Eigenschaften wie der Wille zum Siegen (oder generell Wettkampf zu lieben), oder Anstrengungsbereitschaft bereits im Kindes- und Jugendalter beobacht- und messbar sind.

Da meist im nächsten Spiel nach einer Niederlage, wieder voll "gekratzt, gebissen und gekämpft" wurde, vermute ich, wenn ich Zauberei als Argument weglasse, dass hinter dieser "Wandlung" etwas anderes steckt. Oder ganz konkret - für die nächste Ursachenforschung nach einer Niederlage braucht´s Mut! :-) Und vielleicht probiert´s einmal einer:

"Die Spieler der gegnerischen Mannschaft waren in 80% schneller beim Ball...

...sie waren kräftiger und stabiler bei 80% der 2 Kampf Duelle. Insgesamt scheinen die Gegenspieler in diesem Spiel körperlich besser vorbereitet gewesen zu sein." Und vielleicht noch als Zuckerl an die Journalisten gerichtet...

"Und kommen sie mir jetzt nicht mit fehlender Einstellung und Siegeswillen!"

"Sie können einen noch so starken Willen haben, aber wenn die Energiebereitstellung im Muskel nicht mehr gegeben ist, wie wollen sie dann die 50m noch in 5 Sekunden laufen? Dann fehlen bei jedem Mal abspringen zum Kopfballduell einige Zentimeter. Ja, wir haben in der Vorbereitung auf dieses Spiel Fehler gemacht. Und nein, wir haben die Einstellung und den Willen zum Siegen nicht verloren. Wir haben in der Woche vor dem Spiel die Erkenntnisse der Trainingswissenschaft, der Leistungsphysiologie und der Sportpsychologie unpassend eingesetzt."

Und wenn sie als Journalist richtig mutig sind, dann fragen sie den 2.Platzierten nach dem nächsten Ironman:

"Haben bei ihnen heute die Einstellung und der Siegeswille gefehlt?"

Alex Pfeifer, Sportpsychologe und 2 facher Ironman - Finisher.